Despite all the wrongheaded effort on the part of “Anarcho-Communists,” the chasm between Marxism and Anarchism remains fundamental and unbridgeable. Engels and Lenin are often cited, but Marx was explicit, among other occasions, in this tear-down of Bakunin’s work.

Karl Marx (1818-1883) and Mikhail Bakunin (1814-1876) clashed at various points in their lives, most famously at the International Workingmen’s Association (“First International”). Marx’s “collectivist” faction eventually expelled Bakunin’s anarchist faction in 1872. This incident is bookended by the publication of important works: Marx’s Capital (1867) and Bakunin’s Statism and Anarchy (1873).

This private conspectus of Statism and Anarchy was written by Marx in late 1874. It consists of handwritten reproductions of several of Bakunin’s proclamations, interweaved with and followed up by Marx’s reactions to each excerpt.


(Bakunin:) Wir haben bereits unsren tiefen Widerwillen gegen die Theorie von Lassalle und Marx ausgesprochen, [die] empfehlend den Arbeitern, wenn nicht als letztes Ideal, so zum mindesten als nächstes Hauptziel — die Gründung eines Volksstaats, der, nach ihrem Ausdruck, nichts andres sein wird als das Proletariat, (das als herrschende Klasse organisiert). Fragt sich, wenn das Proletariat die herrschende Klasse sein wird, dann über wen wird es herrschen? Das bedeutet, es wird noch ein andres Proletariat übrigbleiben, welches Untertan sein wird dieser neuen Herrschaft, diesem neuen Staat.

(Marx:) Das meint, solange die andren Klassen, speziell die kapitalistische noch existiert, solange das Proletariat mit ihr kämpft (denn mit seiner Regierungsmacht sind seine Feinde und ist die alte Organisation der Gesellschaft noch nicht verschwunden), muß es gewaltsame Mittel anwenden, daher Regierungsmittel; ist es selbst noch Klasse, und sind die ökonomischen Bedingungen, worauf der Klassenkampf beruht und die Existenz der Klassen, noch nicht verschwunden und müssen gewaltsam aus dem Weg geräumt oder umgewandelt werden, ihr Umwandlungsprozeß gewaltsam beschleunigt werden.

Z. B. die Krestyanskaya Chern, das gemeine Bauernvolk, der Bauernpöbel, der sich bekanntermaßen des Wohlwollens der Marxisten [nicht erfreut], und der, befindend sich auf der untersten Stufe der Kultur, wird wahrscheinlich regiert werden durch das städtische und Fabrikproletariat.

D.h., wo der Bauer massenweise als Privateigentümer existiert, wo er sogar eine mehr oder minder beträchtliche Majorität bildet, wie in allen Staaten des westeuropäischen Kontinents, wo er nicht verschwunden und durch Agrikultur-Taglöhner ersetzt ist, wie in England, treten folgende Fälle ein: entweder er verhindert, macht scheitern jede Arbeiterrevolution, wie er das bisher in Frankreich getan hat; oder das Proletariat (denn der besitzende Bauer gehört nicht zum Proletariat, und da, wo er selbst seiner Lagenach dazu gehört, glaubt er, nicht dazu zu gehören) muß als Regierung Maßregeln ergreifen, wodurch der Bauer seine Lage unmittelbar verbessert findet, die ihn also für die Revolution gewinnen; Maßregeln, die aber im Keim den Übergang aus dem Privateigentum am Boden in Kollektiveigentum erleichtern, so daß der Bauer von selbst ökonomisch dazu kommt; es darf aber nicht den Bauer vor den Kopf stoßen, indem es z.B. die Abschaffung des Erbrechts proklamiert oder die Abschaffung seines Eigentums; Ietztres nur möglich, wo der kapitalistische Pächter die Bauern verdrängt hat und der wirkliche Landbebauer ebensogut Proletarier, Lohnarbeiter ist wie der städtische Arbeiter, also genau mit ihm dieselben Interessen unmittelbar hat, nicht mittelbar; noch weniger darf das Parzelleneigentum dadurch gekräftigt werden, daß die Parzelle vergrößert wird, einfach durch Annexation der größern Güter an die Bauern, wie im Bakuninschen Revolutionsfeldzug.

Oder, wenn man diese Frage vom nationalen Standpunkt betrachtet, dann, unterstellen wir, werden für die Deutschen die Slawen aus demselben Grund zum siegreichen deutschen Proletariat in derselben sklavischen Abhängigkeit stehn, worin das Ietztre sich befindet zu seiner Bourgeoisie

Schülerhafte Elselei! Eine radikale soziale Revolution ist an gewisse historische Bedingungen der ökonomischen Entwicklung geknüpft; Ietztre sind ihre Voraussetzung. Sie ist also nur möglich, wo mit der kapitalistischen Produktion das industrielle Proletariat wenigstens eine bedeutende Stellung in der Volksmasse einnimmt. Und damit es irgendeine Chance zum Sieg habe, muß es wenigstens fähig sein, soviel unmittelbar mutatis mutandis für die Bauern zu tun, als die französische Bourgeoisie in ihrer Revolution für die damaligen französischen Bauern tat. Schöne Idee, daß der Arbeit Herrschaft einschließt Unterdrückung der ländlichen Arbeit! Aber hier kommt der innerste Gedanke des Herrn Bäk. heraus. Er versteht absolut nichts von sozialer Revolution, nur die politischen Phrasen davon; die ökonomischen Bedingungen derselben existieren nicht für ihn. Da nun alle bisherigen ökonomischen Formen, entwickelt oder unentwickelt, Knechtschaft des Arbeiters (sei es in der Form des Lohnarbeiters, Bauern etc.) einschließen, so glaubt er, daß in allen gleichmäßig radikale Revolution möglich. Aber noch mehr! Er will, daß die auf der ökonomischen Basis der kapitalistischen Produktion gegründete europäische soziale Revolution auf dem Niveau der russischen oder slawischen Agrikulturund Hirtenvölker sich vollziehe, dies Niveau nicht übertreffe, obgleich er einsieht, daß die Meerschiffahrt Unterschied unter den Brüdern bildet, aber auch nur die Seeschiffahrt, weil d[ies] auch allen Politikern bekannter Unterschied! Der Wille, nicht die ökonomischen Bedingungen, ist die Grundlage seiner sozialen Revolution.

Wenn Staat ist [gosudarstvo], dann ist unvermeidlich Herrschaft [gospodstvo], folglich auch (Sklaverei); Herrschaft ohne Sklaverei, verborgen oder maskiert, undenkbar — deswegen sind wir Feinde des (Staats).

Was heißt das, das Proletariat, (das als herrschende Klasse organisiert)?

D.h., daß das Proletariat, statt im einzelnen gegen die ökonomisch privilegierten Klassen zu kämpfen, Stärke und Organisation genug gewonnen hat, um allgemeine Zwangsmittel im Kampf gegen sie anzuwenden; es kann aber nur ökonomische Mittel anwenden, die seinen eignen Charakter als salariat, daher als Klasse aufheben; mit seinem völligen Sieg ist daher auch seine Herrschaft zu Ende, weil sein Klassencharakter [verschwunden].

Wird vielleicht das ganze Proletariat an der Spitze der Regierung stehn?

Bildet z. B. bei einer Trade-Union die ganze Union ihr Exekutivkomitee? Wird alle Teilung der Arbeit in der Fabrik aufhören und die verschiednen Funktionen, die daraus entspringen? Und bei der Bakuninschen Bildung (von unten nach oben) werden alle (oben) sein? Dann gibt es ja kein (unten). Werden alle Mitglieder der Gemeine zugleich die gemeinschaftlichen Interessen des (Gebiets) verwalten? Dann kein Unterschied von Gemeine und (Gebiet).

Die Deutschen zählen ungefähr 40 Millionen. Werden z.B. alle 40 Millionen Glieder der Regierung sein?

Certainly! Da die Sache mit der Selbstregierung der Gemeine anfängt.

Das ganze Volk wird regieren, und es wird keine Regierten geben.

Wenn ein Mensch sich selbst beherrscht, beherrscht er sich nach diesem Prinzip nicht; denn er ist doch er selbst und kein andrer.

Dann wird es keine Regierung geben, keinen Staat, aber wenn Staat sein wird, wird es auch Regierende und Sklaven geben.

D.h. bloß: wenn die Klassenherrschaft verschwunden, und es keinen Staat im jetzigen politischen Sinne geben [wird].

Dies Dilemma in der Theorie der Marxisten löst sich einfach. Unter Volksregierung verstehn sie (d.h. Bäk.) die Regierung des Volkes vermittelst einer geringen Zahl von Vorstehern, auserwählt (gewählt) durch das Volk.

Asine! Dies demokratische Gekohl, politische Faselei! Die Wahl-politische Form, die in der kleinsten russischen Kommune und im Artel. Der Charakter der Wahl hängt nicht von diesem Namen ab, sondern von der ökonomischen Grundlage, den ökonomischen Zusammenhängen der Wähler; und sobald die Funktionen aufgehört haben, politisch zu sein, existiert 1. keine Regierungsfunktion; 2. die Verteilung der allgemeinen Funktionen ist Geschäftssache geworden, die keine Herrschaft gibt; 3. die Wahl hat nichts von heutigem politischen Charakter.

Das allgemeine Wahlrecht durch das ganze Volk —

so ein Ding wie das ganze Volk im jetzigen Sinne Phantasma —

 — von Volksrepräsentanten und (Beherrschern des Staats) — das ist das letzte Wort der Marxisten, wie auch der demokratischen Schule — Lüge, unter der sich verbirgt der Despotismus der regierenden Minderheit, um soviel gefährlicher, als sie erscheint als Ausdruck des sogenannten Volkswillens.

Auf Kollektiveigentum verschwindet der sogenannte Volkswillen, um den wirklichen Willen des Kooperativs Platz zu machen.

So Resultat: Lenkung der großen Mehrheit der Volksmasse durch privilegierte Minorität. Aber diese Minderheit, sagen die Marxisten, —

wo?

wird aus Arbeitern bestehn. Ja, mit Erlaubnis, aus gewesnen Arbeitern, aber die, sobald sie nur Repräsentanten oder Regierer des Volks geworden sind, aufhören Arbeiter zu sein —

sowenig, wie ein Fabrikant heute dadurch aufhört Kapitalist zu sein, daß er Gemeinderat wird —

und sehn werden auf die ganze gemeine Arbeiterwelt von der Höhe der (Staatlichkeit); sie werden nicht mehr das Volk vertreten, sondern sich und ihre (Ansprüche) auf die Volksregierung. Wer daran zweifeln kann, der durchaus nicht bekannt mit der Natur der Menschen.

Wäre Herr Bakunin bekannt auch nur mit der Stellung eines Managers in einer Arbeiter-Kooperativ-Fabrik, alle seine herrschaftlichen Träume zum Teufel. Hätte sich fragen sollen: welche Form können Verwaltungsfunktionen auf Grundlage dieses Arbeiterstaats, wenn er es so nennen will, annehmen?

Aber diese Auserwählten werden glühend überzeugte und daher gelehrte Sozialisten sein. Das Wort »gelehrter Sozialismus« —

nie gebraucht worden —

»wissenschaftlicher Sozialismus» —

gebraucht worden nur im Gegensatz zum utopistischen Sozialismus, der neue Hirngespinste dem Volk aufheften will, statt seine Wissenschaft auf der Erkenntnis der vom Volk selbst gemachten sozialen Bewegung zu beschränken; siehe meine Schrift gegen Proudhon [1] —

welches unaufhörlich angewandt wird in den Werken und Reden der Lassalleaner und Marxisten, zeigen durch sich selbst, daß der sog. Volksstaat nichts andres sein wird als die sehr despotische Lenkung der Volksmassen durch neue und sehr wenig zahlreiche Aristokratie wirklicher oder angeblicher Gelehrten. Das Volk ist nicht wissenschaftlich, das bedeutet, es wird ganz und gar befreit werden von der Sorge der Regierung, es wird ganz und gar eingeschlossen werden im regierten Stall. Schöne Befreiung!

Die Marxisten fühlen diesen (!) Widerspruch und, erkennend, daß die Regierung der Gelehrten (quelle reverie!) die drückendste, verhaßteste, verächtlichste der Welt, trotz aller demokratischen Formen tatsächliche Diktatur sein wird, trösten sie sich mit dem Gedanken, daß diese Diktatur nur vorübergehend und kurz sein wird.

Non, mon cher! — Daß die Klassenherrschaft der Arbeiter über den mit ihnen kämpfenden Schichten der alten Welt nur so lang bestehn kann, als die ökonomische Grundlage der Klassenexistenz nicht vernichtet ist.

Sie sagen, daß ihre einzige Sorge und Ziel sein wird, zu bilden und zu erheben das Volk (Wirtshauspolitiker!) wie ökonomisch so politisch auf solche Stufe, daß alle Regierung bald nutzlos wird und der Staat allen politischen Charakter verliert, das heißt (beherrschenden) Charakter, sich durch sich selbst verwandeln wird in freie Organisation ökonomischer Interessen und Gemeinden. Das offenbarer Widerspruch. Wenn ihr Staat wirklich volkstümlich sein wird, warum ihn vernichten, und wenn seine Vernichtung notwendig zur wirklichen Befreiung des Volks, warum wagen sie ihn volkstümlich zu nennen?

Abgesehn von dem Herumreiten auf dem Liebknechtschen Volksstaat, der Blödsinn ist, gegen das kommunistische Manifest etc. gewandt, heißt es nur: da das Proletariat während der Periode des Kampfs zum Umsturz der alten Gesellschaft noch auf der Basis der alten Gesellschaft agiert und daher auch noch in politischen Formen sich bewegt, die ihr mehr oder minder angehörten, hat es seine schließliche Konstitution noch nicht erreicht während dieser Kampfperiode und wendet Mittel zur Befreiung an, die nach der Befreiung wegfallen; daher schließt Herr B., daß es lieber gar nichts tun soll… den Tag der allgemeinen Liquidation — des jüngsten Gerichts — abwarten soll.


  1. The Poverty of Philosophy (1847).